Aus der New Work Perspektive sind alle Menschen Lernende, auf der Reise von einer unsicheren, kaum steuerbaren, in eine neue unbekannte Welt. Um mit diesen Herausforderungen kohärent zu begegnen, braucht Leadership ein differenziertes Mindset. Dazu gehört in entscheidendem Maße das Ziel der Gesunderhaltung aller Mitarbeitenden im Blick zu halten.

Unser Leben, besonders das Arbeitsleben scheint für viele Mitarbeitenden vollgestopft an Anforderungen, die bekannt oder teilweise nur scheinbar bekannt sind. Es müssen nicht immer tiefgreifende private oder berufliche Krisen sein, die Verwirrung und ein Gefühl der In-Balance bei den KollegINNEN auslösen. Überzogene Selbstansprüche und Selbstverpflichtungen können eine stetige Quelle von Stress sein und dazu führen, sich unwirksam zu fühlen und eigenen Ziele nicht zu erreichen.

Selbstmanagement-Tools scheitern daran, dass wir nun einmal Gewohnheitstiere sind und selbst die kleinste Veränderung viel schwieriger durchzuhalten ist als wir glauben. Hinzu kommt, dass es nicht möglich ist, aus der Metaposition auf die eigene Situation zu schauen, um sich einen Überblick zu verschaffen, welche Schritte zu einer Verbesserung führen könnten. Oftmals experimentieren wir ergebnislos mit verschiedensten Lösungsstrategien, egal um welches Thema es geht.

Die Aufgabe von Coachingprozessen ist es, Klarheit über eine Situation zu schaffen, die Fähigkeit der Selbstreflexionen wieder herzustellen bzw. zu fördern und effektiv in Sinne des Coachee zu handeln. Anlässe sich Hilfe von außen, z.B. durch Coaching zu nehmen, können sein, mit Ängsten im Alltag kompetenter umzugehen, die seelische Widerstandskraft zu stärken, die Familiensituation liebevoller und gelassener zu gestalten, den Arbeitsstress besser zu integrieren oder Ernährungsgewohnheiten zu verbessern.

Coaching Anliegen scheinen zunächst sehr klar zu sein, im Coaching Prozess ändert sich der Fokus und es wird wichtiger, diese Äußerlichkeiten zu verlassen und tiefer zu gehen. Es gibt also oftmals einen Unterschied zwischen Coachinganlass, – anliegen und dem Coachingauftrag. Dies im Coaching herauszuarbeiten ist wichtig, um nicht an nur an Symptomen zu arbeiten.

Warum Resilienzcoaching zukünftig noch mehr an Bedeutung gewinnen wird?

Die Gesunderhaltung und Resilienz der Mitarbeitenden zu stärken, nimmt bei Führungskräften einen größeren Stellenwert ein. Neben Seminarformaten zum Thema Gesundheit, sind persönliche Coachings für Mitarbeitende zum Thema Resilienz eine wirksame und präventive Variante. Einige Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden dazu kostenfrei und anonymisierte Voucher für ein insgesamt sechs- stündiges Resilienz Coaching an.

Ziel des Resilienz-Coachings ist eine gesundheitsorientierte Selbstführung und startet mit der online basierte Resilienz Analyse. Diese hilft, unbewusstes und unsichtbares bewusster zu machen, einen Ansatzpunkt für eine sinnvolle Selbststeuerung zu finden und so das Leben übersichtlicher zu gestalten. Die onlinebasierte Analyse ist angelehnt an das Modell der 4 Lebensfelder von Nosrat Peseschkian 1.  soziales Leben, 2. Beruf, 3. Sinn/Kultur und 4. Körper. Der Coachee analysiert hier, in welchen Lebensfeldern Kräfte getankt und wo Energie verloren geht. Stressgewohnheiten werden zunächst in kleinen Schritten in diesem Bereich verändert, um die seelische Verfassung zu stärken.

 

Das Resilienz-Coaching umfasst die individuelle Ebene (Selbstführung) und die Umfeldebene d.h. die Interaktion des Coachee mit dem privaten und beruflichen Kontext. Nach diesem Modell wird die Gesunderhaltung eines Menschen besonders gut gestützt, wenn in allen 4 Lebensfeldern Erfüllung und Entwicklung möglich ist.

Folgende zentrale Fragestellungen sind dabei entscheidend:

  • In welchen Situationen lässt sich der Coachee von äußeren Faktoren beeinflussen und fremdbestimmen?
  • Inwieweit und in welchen Feldern hat der Coachee bereits Selbstverantwortung übernommen?
  • Inwieweit hat der Coachee äußere Einflüsse schon so weit verinnerlicht, dass er sich selbst zu Dingen zwingt, die nicht guttun?

 

 

Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Lebensbereichen werden meist unterschätzt. Oftmals glauben wir, etwas im Beruf verändern zu müssen. Es zeigt sich jedoch, dass die Stabilisierung auf der körperlichen Ebene positive Auswirkungen auf das Feld Beruf hat.

Die Analyse macht den Blick auf Wechselwirkungen, Ressourcen und Stärken erst möglich.  Beim weiteren Vorgehen kommt es darauf an, mit Energien zu haushalten und sich nicht zu viele Veränderungen und neues zuzumuten, um gänzlich die Balance zu verlieren. Aufbruchsenergie und zu viel Veränderung wird in Krisenzeiten als Überforderung und Belastung erlebt. In solchen Phasen ist es wichtiger, gut auf sich selbst zu achten und Erholungszeiten einzubauen.

Folgende Reflexionsfragen können unterstützend sein, erste Schritte zu gehen:

  • Welche Umbrüche muss ich gerade meistern?
  • Was kann ich im Moment so lassen wie es ist, damit ich mich nicht überfordere und welche Veränderungen sind wirklich notwendig?

Denn wichtig bei mentalen Veränderungsvorhaben, ist das so genannte ins Handeln kommen. Wer erst einmal angefangen hat aktiv geworden zu sein, der gewinnt immer etwas dazu. Jeder Schritt, auch wenn man ihn in Unsicherheit tut, führt dazu, Stärke zu gewinnen und Unsicherheiten abzubauen. Viele Menschen jedoch warten auf den perfekten Moment, der natürlich niemals kommen wird. Hierbei hilft es genau an dem Punkt anzufangen, der für den Coachee am leichtesten und am greifbarsten zu sein scheint.

Ein Artikel von Angela Kissel