Epidemien sind nicht nur ein globales Problem, sondern auch eine globale Lernchance. Ein Blick in die Geschichte der Epidemien und der Versuch dies auf die heutige Corona-Pandemie zu übertragen.

Covid-19 und kein Ende in Sicht. Das Virus hat sich in unser so scheinbar sicheres Leben geschlichen und die Gesellschaft spaltet sich zunehmend.

Es ängstigt, wie rasant sich Unwissenheit und die Akzeptanz derselben vermehren. Sicher gibt es Maßnahmen und Entscheidungen der Behörden im Umgang mit Corona, denen man kritisch gegenüberstehen sollte und es ist wichtig, anders zu denken, denn dies hat die Menschheit schon oft vorangebracht. Aktuell wird daraus jedoch vielfach ein globales Netzwerk des Bösen gesponnen, an dem viele Beteiligt sein sollen. Doch ein Blick in die Geschichte – Verschwörungstheorien gab es bei solchen Epidemien schon häufig und die Folgen sind zum Teil fatal und bis heute spürbar.

 

Ein Blick in die Geschichte der Pest

Die Covid-19 Pandemie ist nicht die erste in unserer Menschheitsgeschichte und es stellt sich die Frage nach möglichen Parallelen zu früheren Pandemien, speziell zur Pest. Denn sie ist bis heute der Maßstab für alle Epidemien und markierte Zeitenwenden und gesellschaftliche Entwicklungen. Die Spuren, die sie in unserer Kultur und Gesellschaft hinterlassen hat, sind tiefer und dauerhafter, als auf den ersten Blick erkennbar.

Das Ende des ersten großen Pestausbruchs (6.-8.Jhd.), bei dem unzählige Menschen starben, markierte zugleich den Niedergang der klass. griech. Kultur.

Als „schwarzen Tod“ bezeichnete man den zweiten, großen Ausbruch im 14.Jhd. Dieser beendete das Mittelalter und brachte die Neuzeit. Durch diese große Ausbreitung veränderte sich die Welt maßgeblich.

Auch die Lebenswege einzelner Menschen lenkte große Geschichte:

Isaac Newton entwickelte 1665 in der Isolation seines Geburtshauses die Gesetze der Optik und erfand sowohl die Differenzial-als auch die Integralrechnung, um seine Beobachtungen und Vorstellungen über die Schwerkraft erklären zu können. In Paris begann zu dieser Zeit die neuzeitliche Philosophie und trug zu einer intellektuellen Befreiung bei.

Aber auch die Art der Zusammenarbeit änderte sich durch die Pest. Die Abschaffung der Leibeigenschaft und der damit steigende Lebensstandard der einfachen Menschen in Europa war sicher auf soziologischer Ebene ein großer Fortschritt. Durch den Tod so vieler Menschen, waren die verbleibenden Arbeitskräfte viel mehr wert und konnten Forderungen bezüglich ihrer Entlohnung stellen.

Leider konnten die Menschen in Osteuropa nicht von diesem Fortschritt profitieren, denn die Handelswege waren auch damals schon wegen der Quarantänemaßnahmen unterbrochen und in vielen dieser Länder galt weiterhin die Feudalherrschaft. Als Musterbeispiel für spätere Maßnahmen gegen Infektionskrankheiten gilt noch heute der von Österreich eingeführte „Cordon sanitär“.

Die dritte große Pestepidemie im 19.Jhd., die sich vorwiegend in Süd-Ostasien entwickelte, verlief anders als ihre Vorläuferinnen. Es war keine Krankheit mehr, die alle Menschen gleichermaßen traf, denn sie weitete sich in den unteren Schichten viel heftiger aus, als in den oberen. Hygiene- und Quarantänemaßnahmen unterdrückten z. B. in Indien die Kultur und befeuerte somit die Unabhängigkeitsbewegung.

Interessant ist vielleicht auch der Hinweis, dass die Pest bis heute noch nicht als beendet gilt. Epidemiologisch ist sie nämlich noch nicht vorbei, es gibt immer wieder einzelne Ausbrüche, zuletzt 2017/18 auf Madagaskar.

Was könnten wir daraus für heute ableiten?

Früher wie heute haben wir keine gesicherte Ahnung,  was auf uns zu kommt und wie lange dieser Zustand noch andauert. Wie damals sehnen wir einem Abschluss entgegen und müssen doch mit fortlaufender Dauer erkennen, dass es Zeit braucht und vielleicht sogar nicht ganz zu beenden ist.

Wegen dieser Unerklärlichkeit suchten die Menschen früher wie heute nach Gründen und Erklärungen. Die Suche nach Schuldigen spaltete und spaltet bis heute die Gesellschaft, Freundschaften zerbrachen und zerbrechen.

Damals dachte man unter anderem, dass die Juden die Brunnen vergiftet hätten. Die Judenverfolgung und Pogrome von damals gehören zu den Ursprüngen des Judenhasses, der sich bis heute in den dunklen Winkeln unserer Kultur hält. Heute wird China und in manchen Regionen in Deutschland sogar einzelne Migranten in Heimen als sogenannte Schuldige oder Virenüberträger gesellschaftlich stigmatisiert.

Der erhebliche Verlust an Menschenleben hat zu Zeiten der Pest ungleiche Verhältnisse verändert. Unsere Gesellschaft versucht Menschenleben zu schützen. Vor ungleichen Verhältnissen bei Arbeits- oder Lebensbedingungen können wir alle aber nicht mehr länger die Augen verschließen. Wie damals trifft die Epidemie die ärmeren Völker viel stärker als die wirtschaftlich gut entwickelten Regionen.

Es gilt abzuwarten, ob die Gemeinwohlökonomie und soziale Reformen durch die Pandemie einen Schub bekommen. Ganz sicher erscheint uns, dass die Digitalisierung und damit die Art der Zusammenarbeit einen rasanten Wandel erfährt. So kommt es vielleicht zur langsamen Abschaffung von Dienstwägen im Vertrieb, da ein digitaler Kundendialog immer stärker Einzug erhält. Die Inflation an Home-Office-Days, die einen rasanten Anstieg an Leerständen in Bürotürmen nach sich ziehen wird, scheint schon fast ausgemachte Sache.

Isaak Newton sagte über die Zeit seines Lockdowns während der Pest:

„Wahrheit ist das Kind der Stille und des Nachdenkens!“

Welche Wahrheiten finden wir in dieser Zeit über unseren anstehenden Wandel heraus? Haben wir den MUT für Veränderung?

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